ActiveCampaign ist eines der stärksten Tools für E-Mail-Marketing, Funnels und Launches. Beim Datenschutz gab es aber lange ein großes Aber: Die Daten lagen in den USA. Viele Coaches, Trainer und Berater haben deshalb zu europäischen Anbietern wie MailerLite gegriffen.

Seit 2024 hat ActiveCampaign ein Rechenzentrum in der Europäischen Union. Was bedeutet das konkret? Liegen jetzt alle Daten in der EU? Ist ActiveCampaign damit DSGVO-konform, und kannst du es genauso bedenkenlos nutzen wie MailerLite? Das schauen wir uns in diesem Beitrag an. Alle Angaben habe ich im September 2026 direkt in den Rechtstexten und im Hilfe-Center von ActiveCampaign geprüft.

Das Wichtigste in 30 Sekunden:

  • Seit Frühjahr 2024 hostet ActiveCampaign die Kontaktdaten von Kunden aus Europa in einem Rechenzentrum in der EU. Für Konten aus Deutschland gilt das bei Neuanmeldung ab dem 14. März 2024, bestehende Konten werden umgezogen.
  • Ganz in der EU bleiben die Daten nicht: Für Support, Sicherheit, Unterauftragsverarbeiter und einzelne Funktionen können sie weiterhin außerhalb der EU verarbeitet werden, auch in den USA.
  • Für die Übermittlung in die USA ist ActiveCampaign nach dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert, einen AV-Vertrag schließt du in den Kontoeinstellungen ab.
  • Mein Fazit: Mit AV-Vertrag, angepasster Datenschutzerklärung und Double-Opt-In kannst du ActiveCampaign datenschutzkonform nutzen. Der Datenschutz ist kein K.-o.-Kriterium mehr. Einen kleinen Unterschied zu einem europäischen Anbieter wie MailerLite gibt es aber weiterhin.

⚠️ Bitte beachte: Ich biete keine Rechtsberatung. Bei individuellen Fragen wende dich an eine Datenschutzexpertin oder einen Rechtsanwalt.

Was hat sich bei ActiveCampaign geändert?

Laut der Multi-Regional Data Hosting Policy von ActiveCampaign ist das EU-Rechenzentrum seit dem 19. Februar 2024 verfügbar. Seitdem gibt es drei Regionen, in denen ActiveCampaign Kontaktdaten hostet: die USA, die Europäische Union und Australien.

In welcher Region dein Konto landet, hängt davon ab, wo du dich angemeldet hast:

  • Neue Konten aus Deutschland, Österreich und den meisten EU-Ländern, die ab dem 14. März 2024 angelegt wurden, können in der EU gehostet werden. Entscheidend ist der Standort bei der Anmeldung (IP-Adresse bzw. Länderauswahl).
  • Bestehende Konten aus der EU, die noch in den USA liegen, zieht ActiveCampaign in das EU-Rechenzentrum um, vor allem anhand der Rechnungsadresse. Das passiert in einem Wartungsfenster in der Nacht und dauert laut ActiveCampaign weniger als eine Stunde.

Das Hosting in der EU kostet dich nichts extra. Die genaue Adresse des Rechenzentrums nennt ActiveCampaign aus Sicherheitsgründen nicht. In welcher Region deine Kontaktdaten liegen, erfährst du auf Anfrage beim Support von ActiveCampaign.

Liegen jetzt alle Daten in der EU?

Nein. Das ist der wichtigste Punkt, den viele übersehen. ActiveCampaign hostet deine Kontaktdaten hauptsächlich in der EU, nennt in seiner Richtlinie aber ausdrücklich Ausnahmen. Die Daten können weiterhin außerhalb der EU verarbeitet werden, wenn:

  • der Support dir bei einer Anfrage hilft,
  • ActiveCampaign Sicherheitsvorfälle oder Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen prüft,
  • du dich selbst von außerhalb der EU einloggst, zum Beispiel im Urlaub,
  • Unterauftragsverarbeiter beteiligt sind, die an anderen Orten arbeiten.

Außerdem gilt das EU-Hosting laut ActiveCampaign nicht für:

  • die Funktion Conversations, deren Daten weiter in den USA liegen,
  • Beta-Funktionen,
  • Integrationen und Drittanbieter, die du mit ActiveCampaign verbindest. Wo zum Beispiel Zapier oder dein Webinar-Tool Daten speichern, liegt in deren Verantwortung.

ActiveCampaign selbst schreibt in der Richtlinie sehr offen: Das Unternehmen sitzt in den USA, ein Teil der Verarbeitung kann dort weiterlaufen, und es gibt keine Zusicherung, dass das EU-Hosting allein deine rechtlichen Pflichten erfüllt.

Ist ActiveCampaign jetzt DSGVO-konform?

Kurz gesagt: Ja, ActiveCampaign lässt sich datenschutzkonform nutzen, wenn du deine Hausaufgaben machst. Das EU-Rechenzentrum ist dabei ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige. Entscheidend sind diese drei Punkte:

1. Das EU-US Data Privacy Framework

ActiveCampaign ist nach dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert. Seit dem Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission vom Juli 2023 dürfen personenbezogene Daten an zertifizierte US-Unternehmen übermittelt werden, ohne dass du zusätzliche Standardvertragsklauseln oder eine eigene Risikoprüfung brauchst.

Das Europäische Gericht hat das Data Privacy Framework am 3. September 2025 bestätigt und eine Klage dagegen abgewiesen. Gegen dieses Urteil läuft allerdings eine Berufung beim Europäischen Gerichtshof (Az. C-703/25 P). Die Vorgänger-Abkommen Safe Harbor und Privacy Shield hat der EuGH gekippt. Solange keine neue Entscheidung fällt, gilt das Data Privacy Framework aber.

2. Der AV-Vertrag (Data Processing Addendum)

Als Nutzerin von ActiveCampaign bist du für die Daten deiner Kontakte verantwortlich, ActiveCampaign ist dein Auftragsverarbeiter. Dafür brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag. ActiveCampaign stellt ihn als Data Processing Addendum bereit, mit den neuen EU-Standardvertragsklauseln. Du schließt ihn direkt in den Einstellungen deines ActiveCampaign-Kontos ab.

3. Deine eigene Umsetzung

Kein Tool ist „von sich aus“ DSGVO-konform. Wie bei jedem Newsletter-Tool hängt es auch davon ab, wie du es einsetzt. Die wichtigsten Schritte findest du in der Checkliste weiter unten.

ActiveCampaign oder MailerLite: der Unterschied beim Datenschutz

Früher war der Datenschutz eines der stärksten Argumente für MailerLite. Durch das EU-Rechenzentrum ist der Abstand deutlich kleiner geworden, ganz verschwunden ist er nicht:

ActiveCampaignMailerLite
Sitz des UnternehmensUSALitauen (EU)
Speicherort der Kontaktdatenfür EU-Kunden hauptsächlich in der EUlaut MailerLite in einem Rechenzentrum in der EU
Übermittlung in die USAmöglich (Support, Sicherheit, Unterauftragsverarbeiter), abgesichert über das Data Privacy Frameworkhängt von den Unterauftragsverarbeitern ab, die MailerLite in seiner Datenschutzerklärung nennt
AV-Vertragja, in den Kontoeinstellungenja

Der verbleibende Unterschied: ActiveCampaign ist ein US-Unternehmen und unterliegt damit auch US-Recht, egal wo die Server stehen. Genau an diesem Punkt setzen Datenschützer an, und deshalb hängt vieles vom Data Privacy Framework ab.

Meine Einschätzung: Für die allermeisten Coaches, Trainer und Berater ist ActiveCampaign mit AV-Vertrag und EU-Hosting datenschutzkonform einsetzbar, genauso wie viele andere US-Tools, die du wahrscheinlich ohnehin nutzt. Arbeitest du in einem besonders sensiblen Bereich, etwa mit Gesundheits- oder Therapiedaten, oder willst du jedes Restrisiko vermeiden, ist ein europäischer Anbieter wie MailerLite oder ein deutscher Anbieter wie Quentn die sicherere Wahl.

👉🏻 Welche Newsletter-Tools es noch gibt und wie sie sich unterscheiden, zeige ich dir im großen Newsletter-Tool-Vergleich.

Checkliste: ActiveCampaign datenschutzkonform nutzen

  • AV-Vertrag abschließen: in den Einstellungen deines ActiveCampaign-Kontos.
  • Datenregion prüfen: Frag beim Support nach, ob dein Konto im EU-Rechenzentrum liegt, vor allem wenn es älter als März 2024 ist.
  • Datenschutzerklärung anpassen: ActiveCampaign als Anbieter nennen, das Hosting in der EU und die mögliche Übermittlung in die USA auf Grundlage des Data Privacy Framework erwähnen.
  • Double-Opt-In nutzen: für alle Anmeldeformulare, damit du die Einwilligung nachweisen kannst.
  • Website-Tracking nur mit Einwilligung: Das Site-Tracking von ActiveCampaign gehört in deinen Cookie-Banner und darf erst nach Zustimmung laden.
  • Integrationen prüfen: Für jedes angebundene Tool (Zapier, Webinar-Tool, Zahlungsanbieter) brauchst du einen eigenen AV-Vertrag, das EU-Hosting von ActiveCampaign gilt dafür nicht.
  • Sparsam mit Daten umgehen: Frag nur ab, was du wirklich brauchst, und speichere keine sensiblen Daten in Kontaktfeldern.

Fazit: Kann ich ActiveCampaign jetzt empfehlen?

Ja. Mit dem EU-Rechenzentrum, der Zertifizierung nach dem Data Privacy Framework und dem AV-Vertrag ist ActiveCampaign aus Datenschutzsicht deutlich besser aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Der Datenschutz ist damit kein Grund mehr, auf das Tool zu verzichten, wenn du seine Stärken brauchst: Tags, Ziele, verhaltensbasierte Automationen und komplexe Launch-Funnels.

Ganz auf einer Stufe mit einem europäischen Anbieter wie MailerLite steht ActiveCampaign beim Datenschutz aber nicht, weil das Unternehmen in den USA sitzt und ein Teil der Verarbeitung dort weiterlaufen kann. Für sehr datenschutzsensible Branchen bleibt ein EU-Anbieter die vorsichtigere Wahl.

Häufige Fragen

Hat ActiveCampaign Server in Deutschland?

ActiveCampaign nennt kein Land, sondern nur die Region: Kontaktdaten von Kunden aus Europa liegen in einem Rechenzentrum in der Europäischen Union. Die genaue Adresse gibt ActiveCampaign aus Sicherheitsgründen nicht heraus.

Seit wann gibt es das EU-Rechenzentrum von ActiveCampaign?

Seit dem 19. Februar 2024. Neue Konten aus Deutschland werden seit dem 14. März 2024 in der EU gehostet, bestehende Konten aus der EU zieht ActiveCampaign nach und nach um.

Wie finde ich heraus, wo meine Daten liegen?

Frag beim Support von ActiveCampaign nach. Laut Hilfe-Center teilt ActiveCampaign dir auf Anfrage mit, in welcher Region deine Kontaktdaten gehostet werden.

Brauche ich für ActiveCampaign einen AV-Vertrag?

Ja. ActiveCampaign verarbeitet die Daten deiner Kontakte in deinem Auftrag. Den AV-Vertrag (Data Processing Addendum) schließt du in den Einstellungen deines Kontos ab.

Ist ActiveCampaign jetzt so datenschutzfreundlich wie MailerLite?

Fast. Beide hosten die Daten von EU-Kunden in der EU und bieten einen AV-Vertrag. ActiveCampaign sitzt aber in den USA, und für Support, Sicherheit und Unterauftragsverarbeiter können Daten weiterhin dort verarbeitet werden. MailerLite ist ein Unternehmen aus der EU.

Was passiert, wenn der EuGH das Data Privacy Framework kippt?

Dann bräuchte die Übermittlung in die USA wieder eine andere Grundlage, zum Beispiel die Standardvertragsklauseln, die ActiveCampaign in seinem AV-Vertrag bereits vorsieht. Behalte das Verfahren im Blick und passe deine Datenschutzerklärung gegebenenfalls an.

Weiterführende Ressourcen

📖 ActiveCampaign Erfahrungen: der große Test

📖 Newsletter-Tools im Vergleich

📖 MailerLite Erfahrungen

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