Die meisten nutzen KI wie einen sehr schnellen Praktikanten: Frage rein, Antwort raus, dann geht es von Hand weiter. Agenten gehen einen großen Schritt weiter. Sie arbeiten ein Ziel in mehreren Schritten ab, nutzen dabei deine Tools, geben Ergebnisse an den nächsten Agenten weiter und melden sich bei dir, wenn sie dich brauchen.

In diesem Beitrag zeige ich dir an einem echten Beispiel aus meiner Kundenarbeit, wie das im Alltag aussieht, und wie du Agenten mit Claude für deinen Launch einsetzen kannst. Vom einfachen Einstieg ohne Technik bis zum Team aus Agenten, die sich gegenseitig zuarbeiten.

Das Wichtigste in 30 Sekunden:

  • Was ist ein Agent? Eine KI, die eine Aufgabe selbstständig in mehreren Schritten erledigt und dabei Werkzeuge wie Websuche, Mail oder Kalender nutzt.
  • Im Launch: Agenten können Kooperationspartner recherchieren, Anfragen vorbereiten, Posts aus deinem Webinar erstellen, dich an Deadlines erinnern und Zahlen auswerten.
  • Einstieg: Ohne Technik geht es mit Verbindungen zu Gmail und Kalender und geplanten Aufgaben im Pro-Plan. Für Agenten-Teams gibt es Claude Code.
  • Grenze: Agenten brauchen klare Regeln, deine Freigabe bei allem, was nach außen geht, und einen Blick aufs Recht.

Was ist ein KI-Agent?

Im normalen Chat gibst du Claude eine Aufgabe und bekommst eine Antwort. Ein Agent bekommt ein Ziel, zum Beispiel „Finde zehn Podcasts, die zu meinem Kursthema passen, und bereite eine Anfrage vor“, und entscheidet selbst, welche Schritte dafür nötig sind: suchen, prüfen, sortieren, schreiben.

Spannend wird es, wenn mehrere Agenten zusammenarbeiten. Jeder hat eine eigene Aufgabe und eigene Anweisungen: Einer recherchiert, einer schreibt, einer prüft. Claude Code nennt solche spezialisierten Helfer Subagents. Sie arbeiten mit eigenem Kontext und eigenen Rechten und geben ihr Ergebnis an den Haupt-Agenten zurück.

Ein Beispiel aus der Praxis: Speaker-Suche mit Agenten

Ein Kunde von mir organisiert Veranstaltungen und braucht dafür regelmäßig passende Speaker. Früher hieß das: stundenlang recherchieren, Profile vergleichen, Mails schreiben, Termine abstimmen, nachfassen. Heute übernimmt das ein Team aus Agenten:

  1. Recherche: Ein Agent sucht Speaker, die zum Thema der Veranstaltung passen und schon über ähnliche Themen gesprochen haben.
  2. Anfrage: Die passenden Speaker werden automatisch angeschrieben, mit Bezug auf das, worüber sie bereits gesprochen haben.
  3. Termin: Wer Interesse hat, bucht sich direkt selbst einen Termin.
  4. Zusammenarbeit: Die Agenten geben sich die Ergebnisse gegenseitig weiter, statt dass er alles von Hand übertragen muss.
  5. Erinnerung: Die Agenten erinnern ihn an das, was er selbst erledigen muss.
  6. Content: Aus den Zusagen entstehen Social-Media-Posts, mit denen die Speaker angekündigt werden.

Das Entscheidende daran ist nicht ein einzelner Schritt, sondern dass die Kette ohne ihn weiterläuft. Er steigt nur dort ein, wo er wirklich gebraucht wird.

So überträgst du das auf deinen Launch

Ein Launch hat viele Aufgaben, die genauso ablaufen: recherchieren, anfragen, nachfassen, ankündigen, erinnern, auswerten. Ein mögliches Agenten-Team für deinen Launch:

🔎 Recherche-Agent: Kooperationen finden

Sucht Podcasts, Newsletter oder Experten, die über verwandte Themen sprechen und deine Zielgruppe erreichen, zum Beispiel als Gast für dein Webinar oder als Partner für deinen Launch. Er prüft, worüber sie zuletzt gesprochen haben, und sortiert nach Passung.

✉️ Kontakt-Agent: Anfragen vorbereiten

Schreibt für jeden Kontakt einen persönlichen Entwurf mit Bezug auf dessen Thema und deinem Buchungslink. Du liest drüber und schickst ab.

📱 Content-Agent: Aus einem Event werden viele Posts

Nimmt das Transkript deines Webinars und schlägt daraus Posts, Storys und Reel-Ideen für die Verkaufsphase vor. Über die Verbindung zu Canva befüllt er deine Vorlagen.

⏰ Erinnerungs-Agent: Dein tägliches Launch-Briefing

Schickt dir jeden Morgen eine Übersicht: Was steht heute an, welche Mail geht raus, welche Antworten fehlen noch. Termine trägt er dir in den Kalender ein.

📊 Auswertungs-Agent: Was hat funktioniert?

Sammelt nach dem Launch deine Zahlen aus den Tools, vergleicht sie mit deinem letzten Launch und zeigt dir, wo die meisten Interessenten abgesprungen sind.

Du musst nicht mit allen fünf starten. Fang mit dem Agenten an, der dir die lästigste Aufgabe abnimmt.

Welche Claude-Werkzeuge du dafür brauchst

StufeWerkzeugWas es kannPlan
1. Ohne TechnikVerbindungen (Connectors) zu Gmail, Google Calendar, Google Drive, Canva, NotionMails lesen und Entwürfe schreiben, Termine eintragen, Dateien lesen, Designs befüllenauch im Free-Plan
RechercheMehrere Suchen nacheinander, auch in deinen verbundenen Toolsab Pro
Geplante AufgabenAufgaben laufen stündlich, täglich oder wöchentlich, auch wenn dein Rechner aus istab Pro
Claude in ChromeClaude liest Webseiten, klickt und navigiert für dich im Browserab Pro
2. Mit etwas TechnikClaude Code mit SubagentsMehrere spezialisierte Agenten mit eigenen Aufgaben, die zusammenarbeitenab Pro
3. Für EntwicklerClaude Agent SDKEigene Agenten programmieren, die dauerhaft laufenüber die API, separat abgerechnet

Funktionen und Pläne laut Anthropic und dem Hilfecenter von Anthropic, Stand Oktober 2026. Einiges ist noch als Vorschau oder Beta gekennzeichnet und kann sich ändern.

Für die meisten Launches reicht Stufe 1. Mit Verbindungen und geplanten Aufgaben baust du dir schon einen Recherche-, Kontakt- und Erinnerungs-Agenten, ohne eine Zeile Code.

Worauf du achten musst

So bleibt es sicher

  • Alles, was nach außen geht, gibst du selbst frei
  • Klare Regeln: Wen darf der Agent anschreiben, in welchem Ton, wie oft?
  • Ein Agent pro Aufgabe statt ein Agent für alles
  • Ergebnisse stichprobenartig prüfen, vor allem Fakten und Namen

Das solltest du wissen

  • Werbe-Mails an Menschen, die nicht eingewilligt haben, sind in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt. Ob eine Anfrage schon als Werbung gilt, hängt vom Inhalt ab. Lass dich beraten, bevor Agenten Fremde automatisch anschreiben.
  • In Free, Pro und Max gibt es keinen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Keine Kundendaten hochladen.
  • Agenten verbrauchen dein Nutzungskontingent schneller als einzelne Chats.
  • Anthropic selbst weist darauf hin, dass ein Browser-Agent Risiken hat. Nicht für Banking oder sensible Konten nutzen.

Die Gmail-Verbindung von Claude schreibt übrigens nur Entwürfe. Verschickt wird erst, wenn du freigibst. Für den Einstieg ist das genau richtig.

So startest du mit deinem ersten Agenten

  1. Aufgabe wählen: Nimm eine Aufgabe, die sich in jedem Launch wiederholt und dich nervt, zum Beispiel das tägliche Nachsehen, was ansteht.
  2. Ablauf aufschreiben: Schreib in normaler Sprache auf, wie du die Aufgabe heute erledigst, Schritt für Schritt. Das ist die Anleitung für deinen Agenten.
  3. Tools verbinden: Verbinde in Claude die Tools, die der Agent dafür braucht, zum Beispiel Kalender und Gmail.
  4. Testen und planen: Lass die Aufgabe ein paar Mal von Hand laufen, korrigiere die Anleitung und plane sie dann als wiederkehrende Aufgabe ein.

Wie du Claude schon in der Vorbereitung einsetzt und welche Kosten du dir damit sparst, liest du in meinem Beitrag zur Launch-Vorbereitung mit Claude.

Häufige Fragen zu KI-Agenten im Launch

Was ist der Unterschied zwischen einem Chat und einem Agenten?

Im Chat beantwortet Claude eine Frage nach der anderen, und du machst den nächsten Schritt. Ein Agent arbeitet ein Ziel selbstständig in mehreren Schritten ab, nutzt dafür Werkzeuge wie Websuche, Mail oder Kalender und meldet sich mit dem Ergebnis.

Brauche ich Programmierkenntnisse für Agenten?

Für den Einstieg nicht. Mit Verbindungen zu deinen Tools und geplanten Aufgaben im Pro-Plan erstellst du einfache Agenten in normaler Sprache. Für Teams aus mehreren Agenten mit Claude Code oder eigene Agenten mit dem Agent SDK hilft technisches Verständnis.

Dürfen Agenten automatisch Mails verschicken?

Technisch ist das möglich, die Gmail-Verbindung in Claude schreibt aber bewusst nur Entwürfe. Rechtlich gilt: Werbe-Mails an Menschen, die nicht eingewilligt haben, sind in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt, und ob eine Anfrage schon Werbung ist, hängt vom Inhalt ab. Lass dich vorher beraten und gib Anfragen am besten selbst frei.

Was kostet es, Agenten mit Claude zu nutzen?

Geplante Aufgaben, Recherche und Claude Code gibt es ab dem Pro-Plan für 20 $ im Monat (zzgl. Steuern). Wer sehr viel automatisiert, stößt an die Nutzungsgrenzen und braucht eventuell den Max-Plan. Eigene Agenten über das Agent SDK werden separat über die API abgerechnet.

Welche Aufgabe eignet sich für den ersten Agenten?

Eine, die sich regelmäßig wiederholt und klare Regeln hat. Ein tägliches Launch-Briefing mit Terminen und offenen To-dos ist ein guter Start: Es spart dir jeden Tag Zeit und geht nicht nach außen.